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photo by Robert Metz by unsplash
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Aktuell – Ausschreibung

NDR Bericht hier und Nordkirchen Bericht hier.

Unter dem Motto »Von der Kunst die Krise zu deuten« haben wir alle Künstler*innen auf dem Gebiet der Nordkirche dazu aufgerufen, sich künstlerisch mit der Coronakrise auseinander zu setzen und ihre Beiträge bis Ende des Jahres unter info@kulturhimmel.de einzureichen! Denn:

Kunst und Religion mögen vielleicht nicht systemrelevant sein – aber in Krisenzeiten können sie überlebenswichtig werden!

Sie werden zum Ventil, können zur Heilung beitragen oder Alltagshilfe leisten. Und: Sie können bei der Deutung und Sinnfindung von Katastrophen, Krisen und Ausnahmezuständen helfen.

So fragen wir in diesem künstlerischen Wettbewerb nach Impulsen, Ideen und Inspirationen, die Kunst und Religion inmitten von Unsicherheit, Unklarheit und Angst liefern. Wie haben Kunst und Religion schon zu allen Zeiten auf Krisen reagiert? Welche Anstöße kommen von ihnen mit Blick auf die Kirche, mit Blick auf den Glauben, mit Blick auf die Gesellschaft? Was haben Kunst und Religion Zeiten existenzieller Nöte und Krisen entgegenzusetzen? Kurz: Warum sind sie überlebenswichtig?

Pressemitteilung (26. Januar 2021):

Preise beim Nordkirchen-Kunstwettbewerb gehen nach Schwerin, Ückeritz und Kiel

Bischof Jeremias: „Kunst ist wichtig, um aus der Erstarrung herauszufinden“

Greifswald/Kiel/www (akl). Bernd Engler (Ückeritz bei Demmin) und die Teams Shirin Goldstein (Schwerin)/Marc Wiesel alias W1353L sowie Achim Kirsch (Windeby)/Stina Kurzhöfer (Kiel) sind die Preisträger des ersten Kunstwettbewerbs der Nordkirche. Sie erhalten jeweils 2000 Euro. Den mit 1000 Euro dotierten Sonderpreis der Jury erhält die Kielerin Lisa Hoffmann. 60 Künstlerinnen und Künstler aus dem Gebiet der Nordkirche ließen sich von dem Motto „Die Kunst die Krise zu deuten“ inspirieren und reichten Zeichnungen, Gemälde, Installationen, Videos und Audiofiles ein. Heute Vormittag (26. Januar) vergab die Jury bei einer digitalen Feier die Preise.

Auch Tilman Jeremias gehörte zur Jury. Der Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland dankte den Organisatoren und Künstlerinnen: „Ich bin begeistert von der Vielzahl der Einsendungen und der breiten Palette an künstlerischen Ausdrucksformen, die sich alle auf einzigartige Weise mit der aktuellen Coronakrise auseinandersetzen. Als wohltuend in dieser Zeit empfand ich die spielerischen und humorvollen Ansätze vieler Kunstwerke. So haben gleich zwei unserer Preisträger das Thema als eine Art Tanz umgesetzt. Die Einsendungen haben uns als Jury gezeigt, wie wichtig Kunst ist, um aus der Erstarrung herauszufinden.“

Die Initiatorin des Wettbewerbs, Anna Luise Klafs, freut sich über die große Resonanz. „Am 31. Dezember, unserem Einsendeschluss, gingen noch bis 23 Uhr die letzten Kunstwerke ein“, erzählt sie lachend. Die Studienleiterin der Nordkirche (www.kulturhimmel.de) hat Theologie und Musiktheater studiert. Sie erzählt von den Abstimmungen innerhalb der Jury, die sich aus Theologen und Künstlerinnen zusammensetzte: „Für uns kristallisierte sich bald ein wichtiger Unterschied zwischen Kunst und Religion heraus: Religion ohne Trost wäre trostlos, doch Kunst ist nicht darauf angewiesen, Trost zu spenden, sie ist da freier.“ Obwohl die Künstlerinnen und Künstler das Thema Coronakrise durchaus ernst genommen hätten, seien die Einsendungen nicht deprimierend. Anna Luise Klafs: „Bei den meisten Beiträgen überwiegt die Hoffnung. Viele spielen mit den Polaritäten, die diese Krise mit sich bringt – etwa Schutz und Abgrenzung, Nähe und Distanz, Hilflosigkeit und Kreativität“.

Susanne Burmester moderierte die Preisverleihung. Als künstlerische Leiterin des Rügener Kunstvereins CIRCUS EINS, Galeristin und Kuratorin ist ihr die Situation der Künstler vertraut: „Die meisten bildenden Künstlerinnen und Künstler arbeiten mehr oder weniger am Existenzabgrund und leben prekär. Das hat sich durch die aktuelle Krise nicht verändert. Allerdings gibt es ein großes Unverständnis dafür, dass Museen und Kunstvereine nicht öffnen können. Dass Kunst als nicht systemrelevant und zu den Freizeitaktivitäten gezählt wird, sagt viel darüber aus, welchen Stellenwert Kultur für uns hat.“

Ein Wettbewerb, wie ihn die Nordkirche veranstaltet hat, sei derzeit umso wichtiger: „Schon das Motto formuliert positiv, dass Künstlerinnen und Künstler etwas beitragen können. Man vertraut auf ihre Erfahrung und wünscht ihre Expertise für die Gesellschaft, um Krisen zu deuten.“ Susanne Burmester ist davon überzeugt, dass Künstlerinnen und Künstler einen einzigartigen Beitrag zum Umgang mit Corona liefern können: „Die Kunst hält die Ambivalenzen, das Unfertige aus. Sie will keine Antworten liefern, sondern öffnet den Raum für Fragen.“

Im  Februar wird die Nordkirche einen Zusammenschnitt aller Einsendungen auf youtube veröffentlichen. Die Kunstwerke sollen ab dem Sommer nordkirchenweit in verschiedenen Kirchen ausgestellt werden.

Informationen zu den Preisträger*innen und deren Werken:

„Dystanz“: Shirin Goldstein und Marc W1353L

Shirin Goldstein, Schwerin

1985 in Schwerin geboren lebt und arbeitet in Schwerin und Leipzig. 2019 hat sie an der Universität Greifswald ihr Examen in Bildender Kunst und Anglistik gemacht.

Marc W1353l (Marc Wiesel), Wismar

Architekt, Jahrgang 1973, lebt und arbeitet in Wismar und Bonn. Sein Schwerpunkt ist multimediale Konzeptkunst.

„Dystanz – eine multimediale Rauminstallation“ besteht aus einem Fototableau, Spiegeln und einem NATO-Draht. Zitat: „Das Wort Dystanz steht für Distanz, also eine Entfernung und Zurückhaltung und unterteilt sich dabei in die pathologische Vorsilbe dys- und das Wort Tanz(…) Die Überlagerungen der Fotografien zeigen die Kraft, die entsteht, wenn Zusammensein im Geiste stattfindet.“

„Sie tanzen“: Achim Kirsch und Stina Kurzhöfer

Achim Kirsch, Windeby

Jahrgang 1973, ist seit 1997 freischaffend künstlerisch mit Maleri/Fotografie/Trickfilm tätig. Davor Studium der Philosophie, Germanistik und Kunst u.a. an der KHM, Kunsthochschule für Medien in Köln.

Stina Kurzhöfer, Kiel

Jahrgang 1980, ist Fotografin und hat u.a. Freie Kunst studiert an der Muthesius-Kunsthochschule in Kiel (Master of Fine Arts performative Installationen).

Der preisgekrönte Beitrag ist eine multimediale, performative Installation mit 12 Beamern, Saugrobotern und Animationen, die eine virtuelle Tanzchoreographie erlebbar machen.

„Kinetisches Objekt: WARTEN AUF OSTERN“: Bernd Engler

Bernd Engler, Gutshaus Ückeritz bei Demmin

1959 in Güstrow geboren, studierte Malerei und Grafik Halle/Burg Giebichenstein. Seit 1986 ist er freischaffender Künstler mit wiederkehrenden Lehraufträgen am Greifswalder Caspar David Friedrich Institut der Universität Greifswald. Zahlreiche prämierte Arbeiten im öffentlichen Raum.

„Covid 19 Woche 0-VI“:Lisa Hoffmann – Sonderpreis der Jury

Lisa Hoffmann, Kiel

Geboren 1989, nach ihrem Examen als Fotodesignerin studierte sie in Kiel und Den Haag und machte ihren Master of Fine Arts an der Kieler Muthesius-Kunsthochschule.

 „Covid 19 Woche 0-VI“ ist ein siebenteiliger Archival Pigment Print. Jedes Bild besteht aus mehreren Hundert übereinandergelegten in der jeweiligen Woche in den weltweiten Medien veröffentlichten Bildern.

Zitat: „Wir haben uns an die seit Jahrzehnten etablierten Bildkonzepte und Dokumentar-Strategien gewöhnt. Diese Gewöhnung führt zur Abstumpfung, und letztlich durch die Menge an täglich veröffentlichten und konsumierten Bildern, so die Annahme, zu einer Passivität der Wahrnehmung. In ihrer rechenbasierten Praxis sucht Lisa Hoffmann nach neuen künstlerischen Dokumentarpraktiken, die zu einer Re-Aktivierung der sinnlich ästhetischen Wahrnehmung führen.“

Wir danken herzlich allen Künstler*innen für ihre Beiträge und dem Verein Andere Zeiten für die finanzielle Unterstützung der Ausschreibung »Von der Kunst die Krise zu deuten«!

Demnächst veröffentlichen wir hier 5 Filme mit den Beiträgen ALLER Teilnehmer*innen!

UND: Wenn es Corona zulässt, gibt es im Sommer eine Ausstellung mit einigen Kunstwerken!